FOOTBALL CASUALS

Football will always survive!

Weihnachten im Jahre 1914 – Deutsche und britische Soldaten kauerten an jenem Heiligabend in ihren Schützengräben, nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt. Zwischen ihnen, im „Niemandsland“, lauerte der Tod. Aber nicht heute. An jenem 24. Dezember sollten die Waffen schweigen und es stand zumindest für einen kurzen Zeitraum der Frieden und der Fußball im Vordergrund, als jene Soldaten, die Stunden zuvor noch aufeinander geschossen hatten, nun ein fast schon freundschaftliches Match mit dem runden Leder austrugen. Diesen historischen Moment haben wir nun auf einem neuen Pikobello Casuals T-Shirt verewigt.


Die 11 Freunde-Redaktion hat diesen historischen Augenblick in wunderbare Worte gefasst:

Sie sollten doch längst wieder zuhause sein. Das hatten ihnen die Generäle versprochen, als im August der Krieg begann. Doch seit November entwickelte sich der Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und den alliierten Westmächten zu einem erbitterten Stellungskrieg. Die Front zwischen dem flandrischen Ypern und dem französischen Richebourg war in der Adventszeit 1914 zur Hölle auf Erden geworden. In den Schützengräben starben in den ersten Monaten mehr als eine halbe Million Soldaten im Kugelhagel der Maschinengewehre.

Am 24. Dezember aber kehrte urplötzlich Ruhe an der Frontlinie ein. Der Krieg machte einen Moment Pause. In der heiligen Nacht erschien es selbst den Todfeinden als unpassend, das sinnlose Töten fortzusetzen. Irgendwo stimmte ein deutscher Soldat »Stille Nacht« an, woraufhin die Briten in den gegenüberliegenden Gräben Applaus spendeten und dasselbe Lied in ihrer Sprache zu singen begannen. Und für einen Moment flackerte Menschlichkeit auf an diesem unwirtlichen Ort.

»Der Feind plant einen Angriff. Seid wachsam!«

Die deutschen Soldaten an der Linie zwischen Frelinghien und Houplines entzündeten Kerzen und stellten sie auf die Wälle ihrer Schützengräben. Kilometerweit zog sich eine Lichterkette, wo noch kurz zuvor die Gewehrmündungen geglüht hatten. Doch das britische Oberkommando in St. Omer warnte: »Der Feind plant einen Angriff. Seid wachsam!« Die Scottish Seaforth Highlanders eröffneten aus Angst, in eine Falle zu tappen, vorsorglich das Feuer auf die seltsame Illumination. Nichts passierte. Die Deutschen schossen nicht zurück. Die Schotten hörten sie stattdessen leise plaudern und singen. Inmitten der sich türmenden Leichen kam für einen Augenblick besinnliche Stimmung auf.

Tausende deutsche Wehrpflichtige hatten wegen der familiären Verflechtungen von Kaiser Wilhelm II. mit dem englischen Königshaus vor Ausbruch des Krieges in Großbritannien gejobbt, Englisch war im Deutschen Reich Fremdsprache Nummer eins. Durch die Enge in den morastigen Gräben, oft lagen die gegnerischen Verbände nur wenige Meter voneinander entfernt, konnten die Deutschen ihren Widersachern nun sogar einen Weihnachtsgruß in ihrer Muttersprache hinüberrufen. Eine Schachtel Zigaretten wechselte die Seiten. In diesem Paradies für Ratten sehnten sich viele nach menschlicher Wärme. Über die Frontlinien entsponnen sich allmählich nachbarschaftliche Dialoge.

Die Deutschen hatten ein Bierfass mitgebracht, die Schotten Christmas Pudding 

Doch erst als der Nebel sich im Morgengrauen des Weihnachtstages verzog, fassten beide Lager den Mut, sich im freien Feld zu treffen. In Abwesenheit der Generalität hatten Offiziere den Soldaten erlaubt, in Kleingruppen von drei bis vier Mann ihre Posten zu verlassen. Bereits um acht Uhr morgens aber stellte ein schottischer Hauptmann mit Erschrecken fest, dass sich auf dem Feld zwischen den Linien eine große Menschenmenge gutgelaunt unterhielt. Die Schützengräben waren für Stunden verwaist. Ehrenabzeichen wurden getauscht, die Deutschen hatten ein Bierfass mitgebracht, die Schotten revanchierten sich mit Christmas Pudding.

Leutnant Johannes Niemann vom 133. Königlich Sächsischen Infanterieregiment sah durch seinen Feldstecher, dass ein schottischer Soldat einen Fußball mitgebracht hatte –einen echten Lederball. Der Boden war gefroren, nicht unbedingt die besten Bedingungen für ein kleines Match. Aber es dauerte nicht lang, und die ersten begannen mit schüchternem Passspiel. Als Torpfosten dienten Mützen und Kappen. Der brüchige Untergrund sorgte dafür, dass viele Bälle nicht den Weg zum Mitspieler fanden, sondern immer wieder weit hinter der ungefähren Feldbegrenzung landeten. Niemann stellte fest: »Obwohl sie alle sehr müde sein mussten, spielten sie mit riesigem Enthusiasmus.«

Die deutschen Spieler johlten, wenn der Wind den Gegnern unter den Kilt wehte und die ganze Pracht der schottischen Männlichkeit offenlegte, weil sie trotz der kalten Witterung ohne Unterhose spielten. Obwohl es keinen Schiedsrichter gab, hielten sich die Spieler streng an die Regeln. Wenn ein Soldat in Stiefeln und Rock in den Schmutz fiel, halfen ihm Gegner wieder auf die Beine. Das Spiel dauerte etwa eine Stunde, dann bekam der Oberkommandierende der Deutschen davon Wind, und es erging der Befehl, schleunigst hinter die Frontlinien zurückzukehren. Leutnant Niemann notierte: »Das Spiel endete mit einem Ergebnis von 3:2 zugunsten von Fritz gegen Tommy.«

Der Journalist Michael Jürgs berichtet in seinem Buch »Der kleine Frieden im großen Krieg: Weihnachten 1914«, dass es auch an anderen Stellen der Westfront zu spontanen Matches zwischen britischen und deutschen Einheiten kam. Die Bälle stammten fast immer aus dem angelsächsischen Lager. So schildert es Harold Bryan in einem Brief an seine Eltern: »Wir schickten einen mit dem Fahrrad nach hinten in unsere Reservestellung, und der holte den Ball.« Und wo kein Leder aufzutreiben war, wurde ein gepresstes Stück Stroh oder eine Konservendose einfach zweckentfremdet.

Vielerorts wurden die Spiele von den Befehlshabern verboten

Nachdem es am ersten Feiertag so gut geklappt hatte, vereinbarten hunderte verfeindete Soldaten für den Boxing Day ein erneutes sportliches Kräftemessen. Doch die Generalität hatte spitzgekriegt, dass die Kampfmoral unter dem Gekicke zu leiden begann. Vielerorts entlang der Front wurden die Spiele von den Befehlshabern verboten. Und auch nicht jeder Mannschaftsdienstgrad war mit dem freundschaftlichen Gebolze einverstanden. Ein Gefreiter namens Adolf Hitler, bei Ypern stationiert, notierte grimmig: »Eine Friedenssehnsucht darf in der Kriegszeit nicht zur Debatte stehen.«

Am Abend des zweiten Feiertags teilte die sächsische Einheit, der auch Leutnant Johannes Niemann angehörte, dem britischen Feind offiziell mit, dass ab Mitternacht wieder scharf geschossen werden müsse. »Gentlemen, es ist uns eine Ehre, sie darüber zu informieren.« Dennoch gelang es einigen Kompanien im militärischen Ungehorsam, sogar frontüberschreitend die Vorgesetzten auszutricksen und am Boxing Day zwischen den Linien zu kicken. Ein englischer Soldat schrieb: »Die Deutschen geben uns Bescheid, dass am Nachmittag ihr General kommt. Wir sollen aufpassen, dann würden sie ein bisschen schießen müssen, aber nur um den Schein zu wahren.«

Nachdem sie auf dem Platz noch zielgenau in das gegnerische Tor zu treffen versucht hatten, war für den Ernstfall ausgemacht, dass man bei Eintreffen der Generalität bewusst über die Köpfe des Gegners schießen würde.