Buchtipp „HOW TO SURVIVE OHNE FUSSBALL“

Der (Profi-)Fußball als Lebensmittelpunkt. Jedes Wochenende on Tour, um seine Mannschaft in den Stadien der Republik zu unterstützen oder auch mal gerne an den Arsch der Welt zu begleiten und auch unterhalb der Woche gibt es kaum einen Tag, der sich nicht um Verein oder Fanaktivitäten dreht. Wer kennt das nicht? Doch ist man im Endeffekt nicht einfach Spielball von Vereinen, Verbänden und Funktionären, die sich mit dem Business Bundesliga die Taschen vollstopfen?! Philipp Markhardt rechnet in seinem Buch „How to survive ohne Fußball“ mit den Machenschaften des Geschäfts mit dem runden Leder ab und holt manchen Fußballromantiker auf den Boden der Tatsachen zurück.

Natürlich weiß tief im Inneren jeder von uns, was er sich da Woche für Woche antut und dass alle Entbehrungen sowieso kaum Würdigung derer findet, denen man dem Anschein nach all seine Anstrengungen widmet. Gut gestellt ist man daher sowieso bestenfalls mit der Selbsterkenntnis, dass man all jenes in Wirklichkeit zur Befriedigung seiner eigenen Gier nach Emotionen, Adrenalin, geilen Erlebnissen sowie für die und mit der Gemeinschaft tut. Wer glaubt, seine eingebrachte Leidenschaft tatsächlich – wie allzuromantisch glorifiziert wird – ausschließlich „für Stadt und Verein“ aufbringen zu müssen bzw. dies zu wörtlich nimmt, dem ist das Buch in der Tat ans Herz zu legen. Allzuernst sollte man jegliche aufgezeigte Alternativvorschläge dennoch nicht nehmen. Andere wiederum regen durchaus zum Nachdenken – zumindest jedoch zum Schmunzeln – an.

In den ersten Kapiteln werden sich sicherlich die meisten an so einigen Stellen wiederfinden. Wer kennt es nicht, dass es völlig außerhalb der eigenen Vorstellungskraft liegt, ein Spiel sausen zu lassen, nur weil eine Hochzeit, ein Geburtstag oder andere niedrige Beweggründe dafür sprechen könnten. So wird dem ein oder anderen Fußballfanatiker amüsant, ironisch, teilweise aber sicherlich durchaus ernst gemeint der Spiegel vorgehalten. Grund zum Grinsen gibt es aber in jedem Fall desöfteren! Dies vor allem, wenn es in den späteren Kapiteln um Alternativen zum übermäßigen Fußballkonsum geht.

Dass gerade das Kapitel rund um die Gründung eines eigenen Vereins aber keineswegs der Fantasie entsprungen, sondern durchaus autobiografisch ist, weiß jeder, der die Vita des Autors kennt. So erfährt die Leserschaft an dieser Stelle so einige Details über die Anfänge des HFC Falke, ohne dass dieser auch nur einmal namentlich genannt wird. Wir erleben einen Exkurs in das deutsche Vereinsrecht, lesen über Dinge, die auf der Hand liegen, erfahren aber mindestens ebensoviel über all jenes, an das man von außen betrachtet sicherlich nicht gedacht hätte. Zumindest, sofern man nicht tatsächlich schon selber einmal einen e.V. ins Leben gerufen hat.

Inwieweit dieses Buch nun also tatsächlich eine Anleitung dafür sein soll oder ob es tatsächlich jemanden dazu bringen wird, seine bisherige bedingungslose und aufopferungsvolle Rolle im Geschäft Profifußball zu überdenken oder gar aufzugeben, sei dahin gestellt. Lesenswert ist es aber allemal – und sei es nur, um einmal über sich selber schmunzeln zu können oder aber auf der anderen Seite festzustellen: Rund um den Fußball hat man trotz allem sicherlich die geilsten Erlebnisse und die größten Emotionen. Vielleicht lehrt das Buch einen jedoch, dieses besser einordnen zu können und den eigenen Horizont zu erweitern.

Erschienen und zu bestellen beim Schwarzkopf Verlag