Football Casuals

„Maßgeschneidert” – Im Gespräch mit „Pomo“

Wir freuen uns sehr, dass für den zweiten Teil unserer neuen Interviewreihe “Maßgeschneidert” niemand geringerer als DER „Sneakerking“ schlechthin Rede und Antwort steht. „Pomo“ berichtet über die Anfänge seiner Leidenschaft, wie er es schaffte Modelle anzubieten, die man sonst in Deutschland nirgendwo ergattern konnte, den Causalstyle der 80er in FFM und vieles mehr.

Pomo, nicht jeder hat das Glück, seine Passion zum Beruf zu machen und mit einer seiner Leidenschaften Geld zu verdienen. Bei dir kann man getrost von diesem Glück sprechen oder?

Ich würde es eher als das Glück des Tüchtigen bezeichnen. Wir Frankfurter waren schon immer gute Geschäftsmänner und hatten einen Hang dazu, mit Klamotten Geld zu verdienen.

Du bist Pionier auf diesem Gebiet, wie hat seinerzeit alles angefangen?

Schon in den 80er Jahren bin ich nach Paris geflogen – meine Mutter arbeitete damals bei Air Canada und der Flug kostete mich somit gerade einmal 80,- Mark – und habe auf Flohmärkten gebrauchte Levis 501 gekauft. Die haben ich damals für um die 20,- DM erstanden und in FFM für ca 100,- DM verkauft.. Auch habe ich in die Musterkollektion von Chevignon investier, teilweise nicht produzierte Einzelteile. Ich habe schon immer darauf geachtet, wer was beim Fußball oder hier in der Stadt anhatte – mit Schuhen war es genauso. Ich hatte schon immer viele Modelle und irgendwann Mitte der 90er begann ich große Bestände aus Sportgeschäften aufzukaufen, darunter viele 70er und 80er Jahre Modelle. Hauptsächlich Adidas und Puma, davon gab es halt mehr. Ich fing an die Schuhe aus meinen Kofferraum zu verkaufen und die Nachfrage wurde immer größer. Dann mietete ich mir eine große Garage an, dort bunkerte ich ca. 1000 Paar. Ich fing an mit den ersten Kontakten in London, die kauften mir die Schuhe weg wie warme Semmeln, dann kamen die Japaner die zahlten teilweise 400,- DM für alte Schuhe. Um der Nachfrage gerecht zu werden, suchte ich nach weiteren alten Sportgeschäften, was aber immer schwieriger wurde. Durch viele Berichte über mich in diversen Magazinen wurden natürlich auch Nachahmer darauf aufmerksam. Dann hatte ich um 1996-98 meinen ersten kleinen Laden mit jemanden zusammen. Wir verkauften Chevignon-Jacken und ich darüberhinaus alte Schuhe. Dann ab 2000 gründete ich den „Sneakerking“. Ab da nahm alles seinen Lauf…

Das hört sich in der Tat äußerst geschäftstüchtig an. Nicht verwunderlich also, dass es in Zeiten, als man noch nicht per Mausklick aus den Sortimenten von hunderten Onlineshops nach seinen Favoriten suchen konnte, hieß „Beim Sneakerking bekommste Schuhe, an die du sonst schwer dran kommst.“

Dafür bin ich auch viel gereist: London, Paris, New York, Mailand. Damals hatten die Firmen noch keine gemeinsame Linien, wie es heute der Fall ist. Da hat das stöbern noch Spaß gemacht, heute ist es langweilig. 90% alles das Gleiche in Europa, keiner hebt sich mehr ab.

Schon damals war die Mode auch ein Bestandteil der Fußballkultur. Bist auch die in den 80ern und 90ern mit Chevignon-Wildlederjacke im Stadion aufgelaufen oder ging es dir vornehmlich um das passende Schuhwerk?

Meine erste Chevignon-Jacke hatte ich 1984. Dann natürlich viel Best Company, Jet Set, Iceberg. Durch das Lesen der Männerausgabe der „Vogue“ wurde ich schon 1986/87 auf Stone Island aufmerksam. Und so kaufte ich mir für damals 800,- DM meinen ersten Stone Island Parka. Beim ersten Mal wo ich bewusst darüber nachgedacht habe, welche Schuhe ich tragen soll, fiel die Entscheidung auf den „Nike Blazer 1982“, dazu Jogginghose und Bomberjacke. Davor trug ich eigentlich immer Adidas und ab 1984 ging die Tendenz zu Nike Joggingschuhen. Ab 1987 kam dann auch New Balance hinzu. Adidas Torsions habe ich nie getragen, nur den „Stan Smith“.

Wir wollen mit unserer Interviewserie den Leuten auch einen Einblick in die Besonderheiten der einzelnen Szenen geben. Wie hat sich das modische Auftreten der Frankfurter damals wie heute vom Rest des Landes abgehoben bzw. gab es Alleinstellungsmerkmale?

Ich würde schon sagen, dass wir sehr modebewusst waren. Typisch für Frankfurt waren eigentlich „Red Wings“-Schuhe. Die tragen wir teilweise schon seit 1986. Ansonsten auch seit 1984 Chevignon. Wer in Deutschland damit anfing ist schwer zu sagen. Optisch fand ich neben uns die Kölner damals cool.

Wie hat sich das Ganze dann entwickelt und welchen Stellenwert hat die Casual-Subkultur heutzutage in der Frankfurter Szene?

Ich glaube mittlerweile doch eher sehr bescheiden.. Es gibt eine kleine Casualszene beim Fußball, ansonsten aber sieht man hier viele Jugendliche mit Jogginghose und „Nike Free“ in der Stadt rumlaufen.

Zweifelsohne hast du als bekannte Persönlichkeit und Trendsetter das Modeverhalten deiner Szene unterbewusst beeinflusst – Oder geht dir diese Aussage zu weit?

Am Anfang war ich mit Sneakerking noch einigen anderen Marken und Läden voraus. Ich wollte auch keinen Trend damit setzen, sondern nur mein Ding durchziehen. Ich hätte 2000 auch nie gedacht, was daraus einmal wird und was für ein Markt daraus entstanden ist – unglaublich! Erstaunlich ist auch, wieviele Blogs es mittlerweile gibt, die nur über Mode und Sneaker berichten. Ich selber lese keine mehr, da mir das einfach zuviel geworden ist.

Zu Beginn deiner Sneaker-Leidenschaft war die erste große Zeit der New Balance Modelle, heute erlebt die Marke eine wahre Renaissance, auch in deinem Angebot.

Für mich immer noch eine zeitlose Marke. Eine Zeit lang gab es ja nur den 574, mittlerweile ist eine riesige Bandbreite an verschiedenen Modellen dazugekommen. Diese werden halt auch von allen getragen, nicht so wie damals nur von Hools..

Ähnliches gilt für die Torsion-Serie, die ebenfalls in den 80ern und 90ern groß auftrumpfte und nun schon seit einiger Zeit wieder überall zugegen ist. Im Gegensatz zu NB findet sich aber scheinbar kein ZXer in deinem Sortiment wieder. Wie kommt’s?

Ich muss gestehen, dass mir von Adidas nur der Stan Smith gefällt, der aber gerade so ausgelutscht wird, dass er für mich untragbar geworden ist. Schuhe wie der „Flux“ gehen gar nicht, ist wie der „Nike Free“. Das ist aber eine rein persönliche Abneigung. Torsions kann ich auch nicht mehr sehen.

Adidas scheint generell bestenfalls eine untergeordnete Rolle bei dir zu spielen? War dies schon immer so oder ist dies aktuellen Entwicklungen geschuldet?

Ich persönlich kann mit den ganzen neu aufgelegten Adidas 70er Jahre-Modellen gar nichts anfangen. Für mich gilt: Entweder als Original oder gar nicht.

Die obligatorische Frage nach deinen Lieblingsschuhen darf natürlich nicht fehlen.

Meine Alltime Classics sind „Adidas Stan Smith“, „Nike Wimledon“ und „Prada Americas Cup“.

Wie „intensiv“ verfolgst du heute noch deine zweite Leidenschaft, die Eintracht?

Sehr eingeschränkt, da ich meistens Samstag selber arbeiten muss und ich jetzt noch mit 48 Vater eines Sohnes geworden bin. Aber mit dem Herzen immer dabei.

Danke für das interessante Interview und vor allem herzlichen Glückwunsch zu den Vaterfreuden!